„Das verstehe ich sowieso nicht“ denken viele Menschen, wenn es in den Nachrichten um Geld- und Zinspolitik geht. Doch so schwer ist das gar nicht – man muss es nur gut erklärt bekommen. Der Börsenexperte Dirk Müller, alias Mr. Dax, und der Erfinder der bayrischen Regionalwährung „Chiemgauer“, Christian Gelleri, beherrschen diese Kunst.
Christian Gelleri
Im Chiemgau muss man keine Euro besitzen, um Schuhe zu kaufen oder eine Autoreparatur zu bezahlen – Chiemgauer tun es auch. Der ehemalige Lehrer Christian Gelleri hat die alternative Währung vor elf Jahren mit Schülern einer Waldorfschule erfunden. Damals kamen die bunten Scheine noch aus einem Tintenstrahldrucker, heute werden sie in einer Druckerei gedruckt und eine EC-Karte gibt es auch.
Dirk Müller
Als Börsenhändler an der Frankfurter Wertpapierbörse arbeitete Dirk Müller direkt unter der Kurstafel des DAX – so kam er Ende der 90er Jahre in die Medien und zu seinem Spitznamen: Mr. Dax. Nach der Finanzkrise 2008 hat der gelernte Bankkaufmann mehrere Bücher über das Geld- und Finanzsystem geschrieben. Unter anderem setzt er sich darin kritisch mit Spekulationsgeschäften, dem Zinseszins-Prinzip und der Art, wie Geld geschaffen, wird auseinander.
Ohne Geld geht nichts, das wissen ganz besonders diejenigen, die keines haben: die Armen dieser Welt. Zwei US-Dollar stehen ihnen am Tag zur Verfügung. Das reicht oft nicht einmal für sauberes Wasser und Essen; eine Wohnung, Strom, Möbel, Bildung und Medikament sind unerschwinglicher Luxus. Dagegen sind andere Menschen unermesslich reich. Sie haben mehr Geld als manche Staaten und können über Spenden Einfluss auf die Politik nehmen oder, wie es der amerikanische Hegdefondsgründer Paul Singer im Fall von Argentinien gemacht hat, sogar einen Staat in die Knie zwingen. Das Geld verleiht aber nicht nur denjenigen Macht, die es besitzen, sondern auch denjenigen, die es verteilen und erschaffen. Das sind die Banken. Sie schöpfen gut 80 Prozent des neuen Geldes und besitzen damit ein mächtiges Privileg. Auch das war ein Grund dafür, warum die Staaten in der Finanzkrise marode Banken gerettet haben.
Der Wert des Geldes
Gleichzeitig ruht die Macht des Geldes und des bestehenden Geldsystems auf erstaunlich tönernen Füßen: dem Vertrauen der Menschen. Nur weil alle akzeptieren, dass man für Geld Waren und Dienstleistungen erhält, ist das Geld in Form von Scheinen, Münzen und Zahlen auf dem Konto etwas wert. In dem Moment, in dem die Menschen dem Geld das Vertrauen entziehen, verliert es seine Bedeutung.
Beispiele dafür findet man vor allem im Zusammenhang mit großen Krisen. So kam es in der Weimarer Republik zur Hyperinflation, weil sowohl das Kaiserreich als auch die Nachkriegsregierungen die Geldmenge ausgeweitet hatten, um erst den Krieg und dann die Schulden zu finanzieren. In der Folge verarmten nicht nur unzählige Menschen, es entstanden auch Schwarzmärkte, auf denen Waren mit Waren bezahlt oder im Tausch erworben wurden. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland einen regen Schwarzmarkthandel. Die bevorzugte Währung waren Zigaretten.
Die richtige Geldmenge
Die Angst vor einer Geldentwertung ist auch heute wieder präsent. Theoretisch sollte die Geldmenge an die Realwirtschaft gekoppelt sein und dem Wert der Waren und Dienstleistungen entsprechen. In der Praxis übersteigt die Geldmenge den Güterwert jedoch bei Weitem. Dass es dennoch noch nicht zur Inflation gekommen ist, erklären Fachleute unter anderem damit, dass sowohl Privatleute als auch Unternehmen große Geldmengen horten. Dadurch droht paradoxerweise eine Deflation: Den Gütern und Waren steht zu wenig flüssiges Geld gegenüber. Auf diese Weise verbilligen sich zwar viele Waren, was die Verbraucher erst einmal freut, die Unternehmen verdienen aber auch weniger an ihren Produkten, was im schlimmsten Falle zum Verlust von Arbeitsplätzen führt.
Ein wichtiges Thema ist deshalb die Frage, wie das gehortete Geld wieder in Umlauf kommt. Eine Überlegung besteht darin, die Vermögensbesitzer und -verwalter dazu zu bringen, ihr Geld in öffentliche Infrastrukturprojekte zu investieren. Allerdings ließen sich die potenziellen Anleger wohl nur mit einer halbwegs hohen Rendite locken. Woher die kommen soll, ist noch offen. Ein anderer Weg ist die Vermögensabgabe, ein Instrument, das in der Geschichte mehrfach zum Einsatz gekommen, aber sehr umstritten ist.
Ideen für ein besseres Geld
Eng verbunden mit den Regionalwährungen ist der Negativzins, eine weitere Reformidee. Liegt auf einem Geld ein Negativzins, wie es bei den meisten Regionalwährungen der Fall ist, verliert das Geld kontinuierlich an Wert. Deshalb lohnt es sich nicht, es zu horten, sondern das Geld bleibt in Umlauf. Der Negativzins war ebenfalls lange Tabu. Inzwischen denkt die Europäische Zentralbank laut über einen Negativzins nach.
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