GELDSYSTEM: Müssen Bankkunden in Deutschland jetzt mit Zins- und Gebührenschocks rechnen?

GELDSYSTEM: Müssen Bankkunden in Deutschland jetzt mit Zins- und Gebührenschocks rechnen?Die Stadtsparkasse München hält in den letzten Tagen Ihre Kundschaft und die Anleger in Atem.

Vor gut einer Woche machte der „Zinsschock“ die Runde und nahm den fleißigen Sparern des Instituts den letzten Hoffnungsschimmer. Das Institut zahlt keine Zinsen mehr auf Tagesgelder. Man ist bei Null Prozent angekommen. Das erinnert fatal an Discounter- und Null-Prozent-Finanzierungsmentalität. Willkommen bei „Billich will ich! Ich bin doch nicht dumm!“. Nebenbei hat das klassische Sparkonto ausgedient. Ob 0,01% Zins p.a. bezahlt werden oder nicht ist im Null-Prozent-Universum egal. Um das Wort „Sparen“ noch vermarkten zu können, gibt es verschiedene „Sondersparformen“. Man nennt es „Führerscheinsparen“, „Kapitalsparenflexibel“ oder „Extrazins“. Üblicher- und gewohnterweise wird Sparen mit einer Belohnung verbunden, früher nannte man das Guthabenzins, aber diese Form der Belohnung löst sich gerade auf.

Die Kunden haben wenig Wahl

Die Kunden nehmen es gelassen, besser gesagt „müssen es gelassen hinnehmen“. Vor dem Nullzins gibt es kein Entkommen. Dabei haben die Kontoinhaber noch Glück, denn an Negativzinsen haben sich die Kreditinstitute noch nicht herangewagt. Keiner will der Erste sein.

Zinsen und Gebührenpolitik

Auf Engste mit dem Nullzins verbunden sind Bankgebühren. Eine ausgewogene Zins- und Gebührenpolitik läßt dem Institut die Luft zum finanziellen Durchatmen. Das kosten- (und zinslose) Girokonto wurde vom zins- (und kostenlosen) Tagesgeldkonto eingeholt. In den vergangenen Jahren war das kostenlose Girokonto das Zugpferd der Banken um weitere Kundengelder an sich zu ziehen. „Gebührenfrei“ brachte dennoch Erträge, wenn der Kunde seine Ersparnisse bei einem Institutswechsel mitbrachte. Die Zinsmargen machten das Geschäft und das Online-Konto verringerte in gewissen Bereichen den personellen Arbeitsaufwand, da der Kunde die Arbeiten des Schalterpersonals via Bildschirm oder Touchscreen ohne es zu merken übernahm.

Die Online-Kundschaft

Die Kunden mit neuen Online-Services über PC oder Smartphone und Service-Centern mit Geldautomaten, Überweisungsterminal und Kontoauszugsdruckern an der Arbeitsleine zu halten ist eine der grandiosesten Ideen der Banken. Die Zahl der personell aufwendig geführten Zweigstellen wird noch weiter abnehmen, es lebe das vollautomatisierte Service-Center. Die nächste Generation der Bankkunden wird nicht einmal mehr wissen, daß es früher einmal Schalterpersonal gab. Schalterpersonal kann durch Verkaufs- und Vertriebspersonal ersetzt werden. Die heutigen modernen Bank- und Sparkassenfilialen haben innenarchitektonisch und stylistisch den Charme weltbekannter amerikanischer Fast-Food-Restaurants zur Sperrstunde. Im guten Gewissen noch voll überwacht zu sein, dürfte bei der Kundschaft der Fluchtreflex einsetzen.

Wieviel ist dabei verdient?

Bei einer ausgewogenen Zinsmarge konnte man die Massendienstleistungen der Online-Konten umsonst anbieten. Services, die mehr Arbeit für die Bank bedeuteten wurden je nach Dienstleistung separat berechnet. Ich denke, daß man in diesem Modell bei den Kontogebühren mit einer schwarzen Null hingekommen sein dürfte.

Es folgt der Gebührenschock

Nur ein paar Tage nach dem Zinsschock folgte der Münchner Gebührenschock. Bei der Stadtsparkasse München werden die Kontoführungsgebühren ab 1. Juli dieses Jahres überraschend und saftig erhöht neu festgesetzt. Natürlich mit verschiedenen Modellen, die gebührenfrei denkende Kundschaft aber dürfte nicht amüsiert sein. Das Standard-Gebührenmodell kostet dann 4,95 € im Monat, das Komfortmodell kostet 7,95 € . Als fünftgrößte deutsche und größte bayerische Sparkasse gibt die SSK München somit die Marschrichtung vor, kleineren Instituten werden die Gewissensbisse genommen.

Sind Kunden mit Einlagengeldern noch wertvoll für das Institut?

Wenn man sich zu solchen Schritten entschließt stimmt etwas nicht im Gebühren- und Zinsgefüge. Auf der Zinsseite ist wie früher im Interbankenhandel nichts mehr zu verdienen, die EZB verlangt schon negative Zinsen von –0,4% als „Einlagesatz“ für Banken. Hier werden keine Erträge mehr generiert. Wer heute als Kunde bei einem Bankwechsel ein Tagesgeld von 50.000 € überträgt bringt der Bank wohl mehr Sorgen als Freude.

Wie tiefgreifend das von der EZB verhängte Nullzins- bzw. Negativzinsniveau auf die Kosten- und Ertragslage der Banken durchschlägt ist schwer zu sagen. Nichts genaues liest man nicht, die Lage dürfte nicht rosig sein. Die Institute stehen unter Anpassungsdruck. Nur was sollen sie tun?

Gebührenerhöhungen wären eine Vorstufe zur Negativzinsbelastung

Ich meine, daß möchte man solange wie möglich hinausschieben. Außerdem verlangt es ein gemeinsames Vorgehen im Land und die technischen Voraussetzungen müssen geschaffen werden. Negativzinsen könnten den Bankbilanzen schon helfen, nur Geld ist scheu wie ein Reh und die Kundschaft auch. Gebühren für Sparkontoauflösungen könnten verlangt werden oder Abhebungslimite wären möglich. Zu dem soll es aber nicht kommen, das Geld muß unbedingt im System bleiben.

Was macht die EZB?

Da muß man sich fragen was diese EZB-Politik soll? Warum bringt sie die Banken in solch eine Lage. Warum die niedrigen Zinsen? Wohin soll das führen?

Niedrige Zinsen müssen etwas verursachen

Ein Effekt der EZB-Zinspolitik sind niedrige Zinssätze für Immobilienfinanzierungen. Der Wohnungsbau hat zum Beispiel etwas davon. Konkurrenz und Gier unter den Banken schaffen ein Klima, Immobilienfinanzierungen mit Zinssätzen bis an die Schmerzgrenze anzubieten. Wieder verdienen die Banken weniger, weil die Marge zurückgeht. Dann hilft nur noch das Immobilienkreditmassengeschäft. Mit verheerenden Folgen falls die Zinsen zu schnell in einem kurz- bis mittelfristigen Zeitraum ansteigen.

Und das normale Zinsgeschäft?

Das klassische Zinsgeschäft scheint immer weniger zu bringen. Auf der einen Seite hat die Bank null Prozent Zinsaufwand auf der Einlagenseite, dann kann man die Kreditseite bis auf ein komatöses Niveau herunterdrücken. Dieser Zustand dürfte jetzt erreicht sein.

Und das normale Kreditgeschäft?

Neulich habe ich an einer Veranstaltung der lokalen Industrie- und Handelskammer teilgenommen. Zwei aufstrebende Jungunternehmer referierten über die Finanzierungsmöglichkeiten ihrer jungen Firma. Um an Finanzierungsgeld zu kommen gehen die beiden eher ungern zur Bank. Der bürokratische und verwaltungstechnische Aufwand sei enorm. Ganz unverblümt sprachen die beiden über Finanzierungsformen wie „Business Angels“ und „Crowdfunding“. Es scheint, als könnte man mit niedrigen Zinsen die gewerbliche Kundschaft nicht mehr locken. Wenn aber weniger Kreditvergaben die Folge sind und so auf das System durchschlagen, muss vieles im Argen sein bei den Banken.

Die Möglichkeiten sind vielfältig

Die Kundschaft wird sich bei allen Bankgebühren auf Überraschungen einstellen müssen. Die Zinsen bleiben zwar niedrig, aber die Gebühren können angepaßt werden. Bei der Münchner Konkurrenz, der Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg betreibt man Finetuning bei den Gebühren für Schließfächer. In diesem Jahr und vorangegangenes Jahr kostete ein mittelgroßes Standardschließfach noch 50 € jährlich, nächstes Jahr ist man mit 100 € dabei. Der Phantasie der Banker bei der Gebühreneintreibung sind keine Grenzen gesetzt.

Das System verlangt Anpassung

Anpassung an das veränderte Zinsniveau, also Anpassungen an das Null- oder ein mögliches Negativzinsniveau. Für die Banker ist das ein völlig neues Terrain. Wenn die Kostenseite zu stark beansprucht wird, dann wird man andere Erträge generieren müssen.

Goodbye Weltspartag

Ob es 2016 noch einen Weltspartag gibt möchten Sie wissen? Ehrlich, bei 0% Sparzins kann man darauf verzichten. Wie gesagt, das System verlangt Anpassung.

DER BONDAFFE   22.04.2016

http://der-bondaffe.com/2016/04/22/geldsystem-muessen-bankkunden-in-deutschland-jetzt-mit-zins-und-gebuehrenschocks-rechnen/

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Eine Antwort zu GELDSYSTEM: Müssen Bankkunden in Deutschland jetzt mit Zins- und Gebührenschocks rechnen?

  1. Runenkrieger11 schreibt:

    Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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